Erwachsen werden ist nicht einfach. Liegt dazu noch eine Diabetes-Erkrankung vor, ist die Belastung der Jugendlichen zusätzlich erhöht. Als wäre das alles nicht schon genug, kommt eine große Veränderung in der Diabetes-Behandlung hinzu: Der Wechsel vom Kinderdiabetologen in die Diabetespraxis für Erwachsene - die Transition.

Die Transition, der Wechsel von der Pädiatrie zur Erwachsenen­medizin, ist ein einschneidender Vorgang in der Behandlung von Jugendlichen mit Diabetes. Mit dem Erreichen des 18. Lebensjahres (in Ausnahmen später) werden die Betroffenen nicht mehr wie gewohnt von einem Kinder­diabetologen behandelt. Sie wechseln nun in die Erwachsenen­medizin. Hier fällt der Umfang der Behandlung wesentlich geringer aus. Die Heran­wachsenden sind auf einmal in vielen Situationen auf sich selbst gestellt, da sie kein Familien­mitglied begleitet. Sie sind nun selbst für ihre Gesundheit verantwortlich. Erfolgt dieser Wechsel zu plötzlich und ungeordnet, kann dies die Gesundheit der Jugendlichen gefährden. Umso wichtiger ist es, Teenager so gut wie möglich auf die Zeit des Arzt­wechsels vorzubereiten. 

„Es ist wichtig, dass die Jugendlichen rechtzeitig lernen auch ohne Eltern Arzt­termine wahrzunehmen. Die Kinderklinik kann ab einem gewissen Alter die Patienten durchaus etwas weniger "betüddeln". Natürlich sollten die Behandler verständnisvoll bleiben - vor allem in einer schwierigen Zeit wie der Pubertät. Es ist unglaublich wichtig, für einen lückenlosen Übergang zwischen Kinder- und Erwachsenenarzt zu sorgen. Aus der Kinder­klinik kommend und noch in keiner neuen Diabetes­praxis aufgenommen zu sein bedeutet, in ein "Behandlungsloch" zu fallen. Bei Kompli­kationen sind diese jungen Diabetes­patienten plötzlich auf sich allein gestellt. Das kann zu schwer­wiegenden Folgen führen und muss in jedem Fall vermieden werden.“

Andrea Witt, Diabetesberaterin DDG aus Schleswig-Holstein, Vorsitzende des Zuckerschnuten e.V., Mutter einer Tochter mit Diabetes Typ 1

Jugendliche an der Schwelle zum Erwchsneensein mit Diabetes Typ 1 am Ostseestrand

Risiken für Typ-1er beim Erwachsenwerden

Neben Diabetes kommen zum Ende der Jugendphase viele neue Themen auf. Diabetes selbst kann dann schnell in den Hintergrund treten. Auf einmal stellen sich Fragen zur Berufswahl, zu junger Liebe, neuen Freizeitaktivitäten, Reisen und sozialer Zugehörigkeit. Die Jugendlichen möchten in dieser Zeit möglichst „normal“ wirken. Normal sind auch alterstypische Verhaltensweisen, wie gern lange Ausschlafen, bis spät in die Nacht aktiv sein mit variierenden Essenszeiten. Der eigenverantwortliche Umgang mit dem Diabetes und der eigenen Gesundheit gerät in dieser Zeit außer Acht. 

Wichtig ist der Dialog mit den Jugendlichen. Aufklärung über Sexualität, Alkohol und Drogen sollte rechtzeitig stattfinden. Auch Informationen zu Reisen und zur Freizeitgestaltung mit spontanen körperlichen Aktivitäten sind ein wichtiger Teil der Vorbereitung auf das Erwachsen­werden.

Angebote der Diabetes-Selbsthilfe nutzen

Einige Krankenkassen übernehmen bereits die Kosten für Übergangsleistungen der Diabetesteams. Aber im Alltag der Kinderdiabetologen bleibt leider zu wenig Zeit für die Vorbereitung des Übergangs. Darum sollte die Unterstützung durch andere Träger wie die DDH-M genutzt werden. Das Pfingst-Camp im Norden ist dafür ein gutes Beispiel, wie Transition gelingen kann. Diese Diabetes-Ferienfreizeit integriert Kinder ab 12 Jahren und junge Heranwachsende bis zu 21 Jahren. Die Älteren übernehmen dabei in einer Art Patenschaft Verantwortung über ein oder zwei jüngere Kinder. Diese lernen von den Älteren, dass die selbstständige Diabetes­versorgung gar nicht so schwer ist. Die Älteren werden sich ihrer Rolle bewusst, nun als Erwachsene mit Diabetes Typ 1 ihr Leben in die Hand zu nehmen.

Die Familienwochenenden unterstützen die Eltern im Austausch darüber, wie sie mit ihren Kindern die Zeit des Übergangs problemloser schaffen. Diese Erfahrungswerte bestärken die Eltern von Kindern mit Diabetes, früher loszulassen und die Jugendlichen rechtzeitiger zu mehr Eigenverantwortung zu erziehen. 

Abschlussbericht des Kinderdiabetologen ist wichtig

Es ist ratsam, sich bereits ab dem Eintreten der Pubertät auf die Transition vorzubereiten. Dazu werden von einigen Kliniken und Arztpraxen Beratungs- und Schulungs­veranstaltungen für junge Typ-1er angeboten. Die Jugendlichen werden angehalten, sich rechtzeitig um einen Diabetologen für Erwachsene zu kümmern und sich aus der Obhut der Eltern zu lösen. Die Verantwortung für die eigene Krankheit tritt in den Vordergrund. Der Pädiater sollte einen ausführlichen Abschluss­bericht mit dem kompletten Krankheits­verlaufs verfassen. Somit kann der nachfolgende Arzt lückenlos an die Behandlung anknüpfen. Gemeinsame Sprech­stunden mit dem Pädiater sowie dem zukünftigen Erwachsenen­mediziner können für einen reibungslosen Ablauf der Transition hilfreich sein.

Transitionsschulungen für Diabetes, die von den Krankenkassen unterstützt werden, gibt es bislang nicht. Beim Berliner TransitionsProgramm kümmern sich Fallmanager um die jungen Patienten und begleiten sie durch die Phase des Übergangs in die Erwachsenen­medizin. Das Programm wird inzwischen bundesweit angeboten, Transitions­stellen mit eigenen Fallmana­gement bestehen neben Berlin mittlerweile auch in Darmstadt, Augsburg und Aachen. Dieses Programm ist für alle Jugendlichen mit chronischen Erkrankungen gedacht.

 

Quelle: Informationsbroschüre "Zukunft mit Diabetes bahnen", AG Pädiatrische Diabetologie der DDG; Deutsche Gesellschaft für Transitionsmedizin e.V. (DGfTM) 
Pressemitteilung DDG:Wenn Kinder mit Diabetes erwachsen werden: DDG: Transitionsprogramme sichern Kontinuität der Behandlung, 7.10.2019