In der Selbsthilfegruppe erlebt man, wie unterschiedlich Menschen mit ihrem Diabetes umgehen und dass viele Empfindungen, Ängste und Erwartungen allen gemein sind. Der Austausch in der Gruppe kann wichtige Unterstützung dabei geben, den eigenen Weg im Umgang mit der Krankheit zu finden.

Die Selbsthilfe ist nicht „veraltet“. Im Gegenteil, sie erlebt gerade in unserer durch Individualisierung und Internet betonten Zeit eine Wiederbelebung. Warum? Ärzte haben nur sehr wenig Zeit für die Betroffenen. Man sagt, ein Mensch mit Diabetes ist zu 99,8% der Zeit mit seinem Diabetes alleine, ohne Betreuung durch Diabetes-Berater, Diabetologen oder Ärzte im Allgemeinen. Diese Zeit soll und muss die Selbsthilfe füllen, Sie und ich, wir sind Ansprechpartner für die Menschen in dieser Zeit. Oft sind wir auch die besseren Gesprächspartner, denn viele Ärzte kennen den Alltag mit Diabetes gar nicht. Ärzte, die selber nicht (mittelbar) von der Krankheit Diabetes betroffen sind, können sich unter den Einschränkungen, die für Sie selbstverständlich sind, nichts vorstellen. Das fängt bei Kleinigkeiten, wie dem Unverständnis für „Fressattacken“ bei sehr niedrigen Blutzuckerwerten an und hört bei größeren Problemen, wie sehr seltenem Blutzuckermessen (oft aus Scham) auf.

Wagen Sie den Schritt in die Selbsthilfe, ob als Mitglied oder Gruppenleiter. Sie erhalten dafür viel Positives für sich selbst zurück.

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Ein Leitfaden für Diabetes-Selbsthilfegruppen

 

1. Was bedeutet Selbsthilfe für Menschen mit Diabetes mellitus? (Marga Bielefeld) (gekürzt)

Diabetes mellitus, ob nun Typ 1, Typ 2 oder ein anderer spezifischer Typ, ist eine Erkrankung, die Menschen und deren Angehörige in sehr unterschiedlichen Lebensphasen und Altersgruppen trifft: Eltern eines Kindes mit Typ 1; im Erwachsenenalter an Typ 1 Erkrankte; Menschen, die im fortgeschrittenen Lebensalter einen Diabetes Typ 2 entwickeln; werdende Mütter mit Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes). So finden sich Menschen, die nach der Neudiagnose Diabetes, nach dem ersten Schock versuchen, ihr Leben damit neu einzurichten und Menschen, die seit Jahrzehnten routiniert mit ihrem Diabetes leben. Darüber hinaus unterscheiden sich auch die Lebensumstände der Betroffenen stark voneinander. Solche Unterschiede haben deutliche Auswirkungen darauf, wie die Menschen ihren Diabetes erleben und mit der Krankheit leben. 

In der Selbsthilfe geht es zunächst einmal darum, sich seiner selbst bewusst zu werden und festzustellen, was man bewältigen und umsetzen kann. Das ist prinzipiell auch ohne Gruppe möglich, da es hier primär um Selbstwahrnehmung und Selbstvertrauen geht. In der Selbsthilfegruppe hingegen erlebt man, wie unterschiedliche Menschen mit ihrem Diabetes umgehen und dass viele Empfindungen, Ängste und Erwartungen allen gemein sind. Der Austausch in der Gruppe kann wichtige Unterstützung dabei geben, den eigenen Weg im Umgang mit der Krankheit zu finden. Beides setzt Offenheit und Toleranz voraus.

Die Selbsthilfegruppe kann und soll die Schulung und professionelle Beratung nicht ersetzen. Die Vermittlung von Grundwissen über Diabetes und das praxisbezogene Einüben der eigenen Versorgung sollte immer durch professionelle Helfer, wie geschulte Diabetesberater und Diabetesassistenten erfolgen.

Ein Mensch mit Diabetes ist zum größten Teil des Alltags mit seinem Diabetes allein. Es steht nicht ständig ein Arzt oder Berater zur Verfügung. Die alltäglichen Fragen, auch immer wiederkehrende, kann eine Selbsthilfegruppe durch Austausch, Zuhören, Tipps oder einfach Verstehen der Situation, oft klären. Wechselseitige Wertschätzung und Ermutigung kann das Leben mit dem Diabetes erleichtern und selbstverständlich werden lassen.

Selbsthilfegruppen sollten keine Pflichttreffen sein, sondern Wunsch der Betroffenen.

Selbstbewusst die Erkrankung in die Hand nehmen.

Das ist auch für mich nicht selbstverständlich. Ich hatte allerdings zu Beginn meiner über 50-jährigen Diabetesdauer andere Voraussetzungen, als es heute der Fall ist. Damals ließ meine Diabetestherapie nicht viel Spielraum, aber auch zu jener Zeit war es mir wichtig zu überlegen: Stimmt das für mich? Was kann ich selbst tun und wie?

Alle Erkenntnisse zum Diabetes kamen nach und nach. Ich war begierig nach Wissens- und Erfahrungsaustausch. Ich habe schon einige Jahre nach der Erkrankung, über Briefkontakte im Diabetes Journal, einen Austausch gesucht, immer mit der Frage: Wie machst Du das? Verbundenheitsgefühle stärkten mich. Ich fand heraus, wie ich die Einstellung des Diabetes verbessern konnte und was mein Leben mit Diabetes bereicherte. Ohne den Austausch, auch später in den Gruppen, wäre mir vieles an Erfahrung verschlossen geblieben.

Neben den zwischenmenschlichen Aufgaben der Selbsthilfe in den Gruppen, kommt den Selbsthilfeorganisationen die wichtige Aufgabe zu, nach außen zu wirken, das heißt in der Öffentlichkeit das Krankheitsbild mit ihren Anforderungen bekannter zu machen. Ganz wichtig ist es, dass die Betroffenen durch eine bundesweit agierende Selbsthilfeorganisation eine politische Interessenvertretung erhalten und diese unterstützen, damit Prävention, Versorgung und Forschung langfristig gesichert werden.

Den kompletten Leitfaden können Sie hier herunterladen:

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