Typ-2-Diabetes wird häufig erst spät entdeckt. Über die Klassifizierung in Subtypen können Menschen ihr Risiko für eine Diabetes-Erkrankung, deren Verlauf und Behandlungsmöglichkeiten besser abschätzen.

Prädiabetes ist eine Vorstufe von Diabetes mit dem Risiko, dass sich daraus ein Typ-2-Diabetes entwickelt. Prädiabetes verursacht zunächst keine Symptome. Die Blutzuckerwerte liegen bei der Diabetes-Vorstufe zwar noch unter dem kritischen Diagnosewert, doch bereits über dem Normalwert. Das bedeutet, der Nüchtern-Blutzucker liegt zwischen 100 und 125 mg/dl und der Langzeitwert HbA1c zwischen 5,7 und 6,4 Prozent. Ein weiterer Parameter ist die Glukosekonzentration im Blut nach einer Mahlzeit. Sie wird zwei Stunden nach einer Traubenzuckergabe gemessen, ist bei Prädiabetes erhöht und beträgt 140 bis 199 mg/dl.

Fünf bis zehn Prozent der Menschen mit Prädiabetes erkranken an Typ-2-Diabetes, aber offenbar sind die Risiken unterschiedlich verteilt. In einer Langzeitstudie über 18 Jahre mit 900 Personen wurde untersucht, welche Faktoren zur Ausbildung des Typ-2-Diabetes führen können. Einbezogen wurden die Blutzuckerwerte, Leberfett, Körperfettverteilung, Blutfettspiegel und das genetische Risiko der Studienteilnehmer. Prof. Robert Wagner von der Uni in Tübingen und eine Arbeitsgruppe hat danach 6 Subtypen des Prädiabetes unterschieden. Drei Subtypen, die Subtypen 1, 2 und 4, haben nur ein niedriges Diabetesrisiko. Das höchste Diabetesrisiko und Risiko für Nieren- und Gefäßkrankheiten haben Personen mit Diabetes des Subtyps 5. Bei Personen des Subtyps 6 reicht die erhöhte Insulinproduktion zwar aus, um die Insulinresistenz auszugleichen, aber das kann zu Nierenschäden führen.1

Die Teilnehmer durchliefen einen Glukosebelastungstest, eine Bestimmung des Körperfetts und eine Untersuchung des Fettgehalts der Leber.

Subtyp 1
BMI 26,84 = übergewichtig (geringes Diabetesrisiko)

Subtyp 2
BMI 23,45 = normalgewichtig (geringes Diabetesrisiko)

Subtyp 3
BMI 29,15 = leicht adipös (Insulinproduktion nicht ausreichend)

Subtyp 4
BMI 31,54 = adipös (Unterhautfettgewebe, gesunder Stoffwechsel)

Subtyp 5
BMI 34,45 = adipös (hohe Leberfettwerte, hohe Insulinresistenz)

Subtyp 6
BMI 34,94 = adipös (viel Bauchfett, erhöhte Insulinproduktion)

Ein junger Mann misst mit Maßband seinen Bauchumfang.
©pixabay|jarmoluk

„Der Diabetes Typ 2 ist keine einheitliche Krankheit. Die meisten Patienten sind übergewichtig, aber einige auch schlank. Manchmal ist der Verlauf langsam und der Blutzucker gut einstellbar, manchmal ist es nicht so und häufig treten Folgeerkrankungen wie diabetischer Fuß und Netzhautschädigungen auf“, sagte Prof. Wagner. Der Diabetologe verwies auf eine schwedische Studie, bei der 5 Subtypen des Diabetes klassifiziert wurden.2 „Es war unsere Fragestellung, ob auch schon bei Prädiabetes unterschiedliche Subtypen erkennbar sind. Prädiabetes entwickelt sich über Monate und Jahre. Der erhöhte Blutzuckerwert tut nicht weh und ist auch keine Krankheit. Es sollte also noch vor einer Diabetesdiagnose festgestellt werden, wie groß das Risiko einer Erkrankung ist.“

Durch Kenntnis des eigenen Prädiabetes-Subtyps kann die Ausbildung von Diabetes und Entwicklung von Folgeerkrankungen vielleicht verhindert werden. Das gilt insbesondere für die Hochrisiko-Subtypen 3 und 5. Für Personen des Subtyps 3 mit schlechter Insulinproduktion könnte eine Bauchfett-Reduktion durch Ausdauertraining und Kalorienreduktion empfohlen werden. Mit denselben Maßnahmen könnte beim Subtyp 5 mit zunehmender Insulinresistenz und hohen Leberfettwerten eine Gewichtsabnahme und die Entlastung der Leber erreicht werden. Der Subtyp 6 kann die schlechte Insulinwirkung zwar durch erhöhte Insulinproduktion ausgleichen und verbleibt damit lange im Prädiabetes. Es besteht jedoch ein hohes Risiko für Nierenerkrankungen und damit auch die höchste Sterblichkeit aller Subtypen.3

Die Diagnostik der Subtypen zu vereinfachen, sodass der Hausarzt sie durchführen kann, und die allgemeinen Verhaltens-Empfehlungen durch Studien zu untersetzen, das sind die Ziele der weiteren Forschung.4

Autor: Bolko Bouché
Beitrag vom 27.09.2021; letzte Aktualisierung am 04.10.2021

Quellen (letzter Abruf September 2021): 
1) Ärzteblatt 5. Januar 2021 Online: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/119886/Praediabetes-Studie-findet-6-Subtypen-mit-unterschiedlichem-Gefaehrdungspotenzial
2) https://menschen-mit-diabetes.de/ratgeber/diabetes-untergruppen-subtypen
3) Pharmazeutische Zeitung 11.01.2021 Typ-2-Diabetes: Sechs Subtypen des Prädiabetes identifiziert | PZ – Pharmazeutische Zeitung (pharmazeutische-zeitung.de)
4) Podcast auf diabinfo.de vom 17. August 2021: 6 Subtypen des Prädiabetes mit Prof. Dr. Robert Wagner https://www.diabinfo.de/leben/info-ecke/mediathek-diabetes-kurz-erklaert-in-bild-und-ton.html