Fünf bis fünfzehn Prozent der an Diabetes erkrankten Menschen entwickeln eine Sonderform des Typ-1-Diabetes, den verzögert auftretenden, autoimmun bedingten Insulinmangel-Diabetes (LADA) im Erwachsenenalter. Beim LADA-Diabetes bleibt über Jahre eine Restfunktion der insulinproduzierenden Zellen erhalten. 

Neben den allgemein bekannten Formen des Diabetes wie Typ 1, Typ 2, Typ 3, sowie Schwangerschaftsdiabetes, gibt es eine Zahl von Sonderformen beim Diabetes. Eine dieser Sonderformen nennt sich LADA, kurz für „Latent Autoimmune Diabetes in the Adult“ bzw. „Late onset Autoimmune Diabetes in the Adult“. Es handelt sich hierbei um verzögert auftretenden, autoimmunbedingten Diabetes im Erwachsenenalter. Der LADA wurde erstmalig 1977 in der Fachwelt beschrieben. Heute zählen die Mediziner den LADA zu einer Sonderform des Diabetes Typ 1.

Um eine Diagnose zu stellen, müssen mindestens drei Merkmale beim Patienten vorzufinden sein:

  1. Das Vorkommen von mindestens einem für Diabetes typischen Antikörper.
  2. Ein abgeschwächter Verlauf der Krankheit ohne Ketose-Neigung*.
  3. Eine gewisse körpereigene Restproduktion von Insulin.

Wie entsteht LADA?

Der Vorgang bei der Entstehung von LADA gleicht dem des Typ-1-Diabetes. Durch eine noch nicht vollständig geklärte Ursache wird ein autoimmuner Prozess ausgelöst, bei dem sich Antikörper bilden. Ebendiese Antikörper zerstören wichtige B-Zellen der Langerhansschen Inselzellen, was dazu führt, dass die Anzahl dieser insulinproduzierenden Zellen sinkt. Ohne besagte Inselzellen fehlt dem Körper Insulin und der Blutzucker kann nicht mehr ausreichend selbstständig reguliert werden.

Neben der Ähnlichkeit zum Diabetes Typ 1 gibt es auch Parallelen mit dem Typ-2-Diabetes. Es kann vorkommen, dass auch bei LADA-Patienten eine Typ-2- typische Insulinresistenz vorliegt, die dazu führt, dass die Wirkung von Insulin lediglich eingeschränkt funktioniert. Der entscheidende Unterschied von LADA zu den anderen Diabetestypen ist der, dass der oben beschriebene Prozess nur sehr langsam voranschreitet. Der Autoimmunprozess kann sich über 20 bis 30 Jahre lang hinziehen anstatt der sonst normalen 5 bis 15 Jahre. Zusätzlich läuft die Zerstörung der Inselzellen weitaus milder ab. Auch kann diese Sonderform des Diabetes oftmals mit einer anderen Autoimmunkrankheit einhergehen.

Das Problem der nicht eindeutigen Definition

Das größte Problem, das LADA mit sich bringt ist, dass die Grenze zwischen dieser Erkrankung und anderen Diabetestypen fließend ist. Somit kann keine eindeutige Definition formuliert werden, sondern lediglich Anhaltspunkte gegeben werden. Ein weiterer Faktor, der den Umgang mit der Krankheit erschwert, ergibt sich durch den schleichenden Prozess der Entstehung der Krankheit und den damit einhergehenden schwachen Symptomen, durch die die Diagnose nicht ganz so leicht zu stellen ist. Ohne auffällige Merkmale, die auf eine Diabetes mellitus Krankheit hinweisen, wird kein Patient auf die speziellen Antikörper getestet. Und ohne eine Bestimmung der Antikörper gibt es keine Diagnose. So kann es passieren, dass ein LADA lange Zeit unentdeckt bleibt. Ebenso kann die Ähnlichkeit zu den anderen Typen in Fehldiagnosen resultieren.

Wie kann man LADA behandeln?

Da es keine eindeutige Definition der Krankheit gibt, ist auch das Behandlungskonzept nicht einheitlich. Meist ist eine klassische Typ-1- Behandlung die wirksamste. Jedoch kann bei einer vorliegenden Insulinresistenz auch eine Behandlung mit Metformin oder Dipeptidyl-Peptidase-4-Hemmern (Gliptine, wie z.B. im Medikament Januvia® oder Onglyza®) enthalten) in Betracht gezogen werden. Pauschal lässt sich lediglich sagen, dass die Behandlung individuell an das Krankheitsbild des Patienten angepasst werden muss.

Wer sollte sich untersuchen lassen?

Besonders zwei Gruppen sollten darüber nachdenken, einen Arzt aufzusuchen und sich auf LADA untersuchen zu lassen. Dies sind einmal Menschen mit Typ-2-Diabetes, die normalgewichtig sind, sowie Patienten mit einer Glucoseintoleranzstörung, bei denen eine weitere Autoimmunkrankheit vorliegt oder deren Behandlung mit oralen Antidiabetika nicht anschlägt.

*Ketose ist ein natürlicher Stoffwechselzustand, bei dem der Körper in erster Linie Fett zur Energiegewinnung anstelle von Kohlenhydraten verwendet. Das geschieht z.B. bei kohlenhydratarmer Ernährung, extremen Sportleistungen oder auch, wenn durch fehlendes oder nicht wirksames Insulin keine Glukose in die Zellen als Energieträger gelangt.

 

Quelle: DDH-M aktuell 1/2015