Diabetes mellitus ist eine chronische Krankheit, die auch die mentale Gesundheit des Patienten angreifen kann. Diabetes wird als Last empfunden, da das tägliche Blutzuckermessen und Achten auf die Ernährung die Patienten seelisch ermüdet. Depressionen können die Folge sein.

Diabetes mellitus erfordert von den Betroffenen eine ständige Aufmerksamkeit und vorausschauende Handlungen, um gute Blutzuckerwerte am Tag wie in der Nacht zu erreichen. Sind bereits Folgeerkrankungen eingetreten, füllt sich der Termin­kalender zusätzlich mit Terminen für ärztliche Untersuchungen. All das kann zu einer niedrigeren Lebens­zufriedenheit führen als bei Menschen ohne Diabetes und unter Umständen in eine depressive Verstimmung oder gar Depression münden. 

Diabetes verursacht Depressionen

Die Symptome einer depressiven Verstimmung bis hin zur manifestierten Depression umfassen unter anderem:

  • Schlafstörungen
  • Niedergeschlagenheit
  • Interessenverlust
  • Hoffnungslosigkeit
  • Antriebsstörungen

Schnell kann hier ein Teufelskreis entstehen: Durch die depressiven Symptome fällt es den Betroffenen schwerer, sich mit dem Diabetes auseinander­zusetzten und die tägliche Diabetes-Routine durchzuhalten. Es folgt eine Verschlechterung der Blutzuckerwerte, worauf wiederum eine Verschlechterung der mentalen Gesundheit folgt.

Mit psychologischer Unterstützung und gegebenenfalls medikamen­töser Behandlung ist es durchaus möglich, zu einer besseren Lebensqualität zurückzufinden. So ist der Diabetes-Alltag wieder leichter zu handhaben, was sich in besseren Blutzucker­werten zeigt.

 

Das Essen wird zum Mittelpunkt des Lebens

Zu den psychischen Erkrankungen, die bei Menschen mit Diabetes ebenfalls auftreten, gehören die Essstörungen. 
 

Diabetes und Essstörungen

Das Thema Essen spielt bei Menschen mit Diabetes eine große Rolle. Das Essverhalten muss bei jeder Mahlzeit kontrolliert und oftmals auch geplant werden. Da können Genuss und die Freude am Essen schnell in den Hintergrund geraten und Mahlzeiten werden mit Stress verbunden. 

Vor allem bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes Typ 1 müssen die Eltern beim Planen der Mahlzeiten und beim Berechnen der BE (Broteinheiten oder KH Kohlenhydrate), immer die Aufsicht führen. Junge Typ-1er fühlen sich deshalb unter ständiger Beobachtung. Es kann passieren, dass die Lust an den Mahlzeiten vergeht und sich eine unspezifische Essstörung entwickelt. Wenn sich diese auch nicht in dem Maß gesundheits­schädlich auswirkt, wie Magersucht oder Bulimie, sollten Eltern eine von den Kindern entwickelte Unlust an den Mahlzeiten ernst nehmen.

Magersucht und Bulimie

Entwickelt sich jedoch eine manifeste Essstörung, bedarf es intensiverer Aufmerksamkeit. Auch ohne Diabetes sind die Essstörungen Magersucht und Bulimie gefährliche Erkrankungen, die schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben können. Während Magersucht hauptsächlich Nahrungsverzicht bedeutet, kommt es bei der Bulimie zu einem Kreislauf aus Essanfällen und Erbrechen. Hier ist eine optimale Blutzucker­einstellung nicht mehr möglich.

Diabulemie

Patienten mit Diabetes Typ 1, zumeist junge Frauen, lassen absichtlich Insulininjektionen aus, um abzunehmen. Die als Diabulimie bekannte Essstörung ist gefährlich, da die daraus resultierenden sehr hohen Blutzuckerwerte eine Erblindung, schwere Nervenschäden oder den Tod verursachen können.

Bei Magersucht, Bulimie und Diabulimie steht der Wunsch im Vordergrund immer weiter abzunehmen. Die Betroffenen entwickeln zusätzlich eine Dysmorphophobie, auch Körperschemastörung genannt. Das bedeutet im Fall einer Essstörung, dass Betroffene den eigenen Körper selbst bei starkem Untergewicht noch als zu dick empfinden. 

Esssucht und Binge-Eating

Während bei der Esssucht die Nahrungszufuhr dauerhaft extrem über dem eigentlichen Bedarf liegt, kommt es beim Binge-Eating zu Essanfällen, jedoch ohne Erbrechen. Auch bei dieser Form der Essstörung ist eine gute Blutzuckereinstellung fast unmöglich.

Vor allem junge Menschen mit Diabetes in der Pubertät sind anfällig für Essstörungen. Da bei Menschen mit Diabetes das Thema Essen bereits eine wichtige und zentrale Rolle hat, sollte man besonders bei Jugendlichen auf Signale, die auf eine Essstörung deuten, achten. Liegt eine manifestierte Essstörung vor, ist es notwendig, dass Diabetologen und Psychologen zusammenarbeiten.

 

Diabetes und Angststörungen

Angst ist eine Empfindung als Reaktion auf bedrohliche Situationen. Sie sorgt dafür, dass wir gefährliche Situationen vermeiden und Gefahren im Vorfeld erkennen und aktiv gegensteuern. Liegt eine Angststörung vor, ist diese Regulation gestört und die Menschen haben auch vor unbedenklichen Situationen Angst.

Eingeteilt werden Angststörungen in drei Kategorien. Bei der generalisierten Angststörung fürchtet sich der Betroffene vor allen möglichen banalen Situationen, wie z.B. vor dem Einkaufen, Arbeiten oder sogar einfach nur das Haus zu verlassen. Ein Beispiel dafür ist die unbegründete Angst vor Unterzuckerungen, die Patienten mit Typ 2 Diabetes daran hindern, das Haus zu verlassen. Es kommt somit zur sozialen Abschottung und oftmals auch Vereinsamung.

Eine andere Form der Angststörung sind Panikattacken, die mit plötzlichem Herzrasen, Schwindelgefühl und Benommenheit bis hin zur Todesangst einhergehen. Hier ist die Angst vor Folgeschäden des Diabetes zu nennen, wenn Patienten Schmerzen, Kribbeln oder Lähmungen sofort z.B. mit einem drohenden Herzinfarkt deuten.

Die dritte Form sind Phobien, bei denen eine meist unbegründete Angst vor bestimmten Dingen, wie zum Beispiel der Stich der Insulinpennadel oder der Lanzettenstich in die Fingerbeere, vorliegt.

 

Keine Scheu vor professioneller Hilfe

Sich professionelle Hilfe zu holen, ist in keinesfalls ein Zeichen von Schwäche. Der Arzt oder der Diabetesberater des Vertrauens sollte der erste Ansprechpartner sein. Im Internet gibt es auf der Webseite der Kassenärztliche Vereinigung des jeweiligen Bundeslandes eine Suche nach psychologischer Unterstützung. Dort finden Ratsuchende alle von der Krankenkasse anerkannten und zugelassenen Psychiater und Psychotherapeuten in der Umgebung mit den verschiedensten Spezialisierungen und Schwerpunkten.

Hilfe erfahren Betroffene vor allem in der Diabetes-Selbsthilfe. In Selbsthilfegruppen finden Menschen mit Diabetes zusammen, die die gleichen Sorgen haben und sich darüber an Gruppenterminen austauschen können. Soziale Kontakte helfen über Ängste und Einsamkeit hinweg. Der Erfahrungsaustausch über den Alltag mit einer chronischen Erkrankung wie Diabetes ist für jeden ein Gewinn: für den Helfenden, wie auch für den Menschen, dem geholfen wird.

Informationen zur Diabetes-SelbsthilfeAnfrage nach Diabetes-Selbsthilfegruppe im Umkreis