Die Migration aus einem armen Drittland in ein reiches Industrieland wie Deutschland birgt ein erhöhtes Risiko an Diabetes zu erkranken. Eine besondere Herausforderung stellt die Behandlung von Menschen mit Diabetes aus anderen Sprach- und Kulturräumen dar.   

Aktuell leben rund 600 000 Zuwanderer mit Typ-2 Diabetes in Deutschland. Die Tendenz ist steigend, da viele Migranten erster Generation langsam in das Rentenalter kommen. Bei Flüchtlingen, die von ärmeren Drittländern in Industrieländer mit hohem Wohlstand migrieren, besteht oft ein höheres Risiko an Diabetes zu erkranken als bei der einheimischen Bevölkerung. Auch die Erstdiagnose für Diabetes Typ 2 wird etwa fünf bis zehn Jahre früher gestellt als bei der Bevölkerung im Heimatland sowie bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund. Besonders gefährdet sind Frauen. 

Menschen verschiedener Kultur stehen freundschaftlich zusammen.

Auch für Schwangerschaftsdiabetes und Depression als Folge­erkrankung des Diabetes besteht bei Migranten und Flüchtlingen ein erhöhtes Risiko. 

Geänderte Lebensumstände verursachen ein erhöhtes Diabetesrisiko

Menschen, die aus anderen Ländern nach Deutschland kommen, haben ein erhöhtes Risiko für Typ-2 Diabetes. Ungesunde Ernährung, unzureichende Bewegung sowie Übergewicht spielen häufig eine Rolle. Die ungesunde Lebensweise haben sich viele Betroffene jedoch erst in Deutschland angeeignet. Dazu kommt, dass manche Menschen durch bestimmte Gene ein erhöhtes Diabetesrisiko in sich tragen. Bei Menschen aus Südasien spielt beispielsweise ein genetisch bedingter erhöhter Aminosäurespiegel eine Rolle. 

Die Heimat verlassen zu müssen, ist für viele Menschen mit psychischen Belastungen verbunden. Stress durch Ent­wurzelung, unsichere Arbeits­verhältnisse oder Anpassungs­druck sowie umweltbedingte Faktoren wie Lärm und Luftverschmutzung gelten als zusätzliche Risiko­faktoren für Diabetes.

Besondere Herausforderungen für Ärzte

Bei der Behandlung von Diabetes bei Menschen aus anderen Kulturen und Ländern sehen sich Ärzte oftmals vor besonderen Heraus­forderungen gestellt. Die Ausgangs­situationen der Patienten können auch innerhalb einer Migrations­gruppe stark variieren. Bestandteile hiervon sind unter anderem:

  • Ethnie
  • Herkunftsland
  • Aufenthaltsstatus und Migrationsbiografie
  • kulturelle und religiöse Überzeugungen
  • Erwerbssituation
  • Bildungshintergrund

Information und Behandlung von Menschen mit Diabetes aus anderen Ländern 

Für die Behandlung von Menschen mit Diabetes aus anderen Kulturen sollten mehr­sprachige Mitarbeiter der Diabetespraxis als Vermittler eingesetzt werden. Oft kommen diese Patienten in Begleitung einer vertrauten sprachkundigen Person, die zwischen Arzt und Patient vermitteln kann. Ebenso können Behandler auf externe Angebote von Dolmetscherdiensten, Kulturmittlern oder Migrantenorganisationen zurückgreifen.  

Um mit den vielseitigen Herausforderungen zurechtzukommen, gibt es gezielte Schulungen für Mediziner, die Menschen mit unterschiedlicher Herkunft mit Diabetes behandeln. 

Für die Patienten selbst gibt es Selbsthilfe­gruppen und Diabetes-Organisationen, die beim Umgang mit der Krankheit im neuen Heimatland Unter­stützung bieten und Patienten­informationen zu Diabetes in vielen Sprachen herausgeben.

Beitrag vom 27.09.2019; letzte Aktualisierung am 27.09.2019

Quellen (letzter Abruf September 2019):  
Berger F.: Typ-2-Diabetes und Migranten: Menschen aus verschiedenen Sprach- und Kulturräumen, Diabetologie 2018; 13: 241-255
Diabetes bei Migranten: Was ist anders?, Dtsch Arztebl 2016; 113(43): [10]; DOI: 10.3238/PersDia.2016.10.28.02