Das Projekt "Klassenfahrtbetreuung" KlaFa ermöglicht Kindern mit Diabetes Typ 1 in Begleitung an Klassenfahrten, wie auch Kita- und Hortfahrten teilzunehmen. Diabeteserfahrene Betreuer, die Unterstützung von Eltern und Behörden machen dies möglich. Die AOK unterstützt dieses Projekt mehrjährig.

Seit dem 1. Mai 2018 wird in Zusammenarbeit mit der AOK ein bundesweites Netzwerk für eine fachgerechte Betreuung bei mehrtägigen Fahrten mit Kindern und Jugendlichen mit Diabetes Typ 1 aufgebaut. Einen Betreuer können Eltern, Institutionen und Pädagogische Einrichtungen für diese Kinder beantragen. 

Nachfolgerin von Kathrin Bahr für das Projekt ist seit Juli 2020 Kathleen Brockelmann. Sie ist Ansprechpartnerin für die Eltern, Institutionen und Einrichtungen sowie für die Betreuer.

Kinder mit Diabetes erfahren oft Ausgrenzungen

Oftmals trauen sich Verantwortliche aus dem Kita- oder Schulbereich nicht zu, betroffene Kids bei mehrtätigen Fahrten zu betreuen, da die Risiken teilweise nicht überschaubar seien. Diabetes ist sehr individuell, in Stresssituationen reagiert jeder Mensch anders, was sich besonders an den Blutzuckerwerken bemerkbar macht. Durch die Möglichkeit, Typ-1-Diabetiker unter 18 Jahren zu begleiten, kann deren Selbstwertgefühl gestärkt und gleichzeitig der Umwelt vermittelt werden, dass ein Leben mit der Stoffwechselkrankheit kein Ausschlusskriterium sein muss. Das trägt zu einer besseren Integration und zu mehr Selbstvertrauen bei den Betroffenen.

Vorbereitung

Sie schreiben eine E-Mail an die Bundesgeschäftsstelle oder direkt an die Projektleiterin Kathleen Brockelmann. Teilen Sie darin den Namen und das Alter Ihres Kindes mit, ebenso sind die Diabetes-Therapie und Begleiterkrankungen wichtig, auch wann und wohin die Fahrt der Schulklasse bzw. Kita-, Hortgruppe geht. Wichtig ist zu wissen, was kann das Kind schon, wo benötigt es Hilfe. Der E-Mail folgt dann auch ein Telefonat, wo Einzelheiten geklärt werden können.

Kann ein Betreuer gestellt werden, trifft sich dieser mit dem Kind/Jugendlichen und den Eltern zu einem Vorgespräch, ggf. zu einem Telefongespräch. Sind sich alle einig, gibt es ein weiteres Gespräch mit den verantwortlichen Lehrern, dem Kind, den Eltern und dem Betreuer, um die Einzelheiten abzusprechen. Inzwischen ist es notwendig, die Kostenübernahme bei den Behörden zu beantragen. Planen Sie bis zu einem Viertel Jahr an Vorlaufzeit ein.

Zu den Kosten

Einen Teil der Kosten für die Betreuung von Kindern und Jugendlichen auf mehrtätigen Fahrten können die zuständigen Ämter wie das Bezirks- oder Jugendamt übernehmen. Teilweise springen auch das Schul-, Landes- oder Integrationsamt ein, um die Kosten für den Betreuer zu decken, sodass den Betreuern selbst keine Kosten entstehen. Das Antragsverfahren ist in jedem Bundesland anders geregelt. Jede Kostenübernahme ist eine Einzelfall­entscheidung und erfordert nicht selten Zeit und Ausdauern von den Eltern.

Mit annähernd 50 Euro muss für einen Tag professionelle Betreuung gerechnet werden. Hinzu kommen Kosten für Verpflegung und Übernachtung des Betreuers. 

Während der Fahrt

Die betreuende Person ist nur für das anvertraute Kind bzw. den Jugendlichen zuständig, auch für das nächtliche Überwachen der Blutzuckerwerte, und hat keine pädagogische Aufsichtsplicht gegenüber den anderen Schülern. Auf den Fahrten fungiert die betreuende Person als Vermittler zwischen dem Betroffenen, den Lehrern und den Mitschülern. Im Notfall oder bei unklaren Situationen wendet sich der Betreuer an die Eltern oder die behandelnde Diabetesberaterin. Die Kinder und Jugendlichen sollen einen möglichst selbstverständlichen Umgang mit dem Diabetes auch fern von Zuhause einüben können. Diese Eigenständigkeit führt oft zu einem besseren Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein. Schließlich möchten wir zeigen: Jeder kann alles mit Diabetes erreichen.

Ziel

Aufbau eines bundesweiten Netzwerkes, damit Kinder und Jugendliche bei gemeinsamen Aktivitäten und mehrtägigen Freizeiten mitfahren können. Das stärkt das Gemeinschaftsgefühl, führt zu mehr Selbstvertrauen und verhindert Ausgrenzung bzw. Diskriminierung von betroffenen Kindern und Jugendlichen. Die AOK fördert hierbei den nachhaltigen Aufbau des Betreuernetzwerkes für diese Fahrtenbetreuung.

Helfer-Herzen gesucht

Für unser Projekt „Klassenfahrtbetreuung“ suchen wir junge, verständnisvolle und selbst von Diabetes Typ 1 Betroffene, die sich ehrenamtlich engagieren möchten. Du hast ein Helfer-Herz? Dann bewirb Dich mit einem kurzen Lebenslauf: Was machst Du beruflich? Seit wann hast du Diabetes? Welche Diabetes-Therapie nutzt Du (Spritzen/Pumpen) bzw. welche Diabetes-Therapiemöglichkeiten kennst Du? Wie alt bist Du und wo bist Du zuhause? Und bitte die Kontaktdaten nicht vergessen.

 

Eine Frau und ein Mädchen umarmen sich lächelnd.

Wie alles begann

Entstanden ist das Projekt durch Kathrin Bahr, die sich besonders als Teenagerin mit Diabetes oft ausgegrenzt fühlte. So reifte in ihr der Wunsch, sich um genau diese Kinder und Jugendlichen zu kümmern. Schon vor sechs Jahren begann sie, ein Team von Betreuern zusammenzustellen, um Kinder und Schüler auf Hort-, Ferien- und Klassen­fahrten zu begleiten. Vielen Kindern und Teens zwischen vier und 16 Jahren war es so schon möglich, mit ihren Kita- oder Schulfreunden gemeinsam Abenteuer zu erleben. Eine Klassenfahrt ohne Eltern ist erst eine echte Klassenfahrt!

(Foto: Kathrin Bahr auf Klassenfahrtbetreuung für Sarah, 2012).

Ich selbst habe schon oft Kinder begleitet, und in aller Regel läuft es prima! Ich bin dabei, ‚klebe‘ aber nicht an den Kindern. Ans Messen erinnern, Zuckerwerte und Insulindosis kurz besprechen, eventuell nachts nochmal ein Check — mehr braucht‘s meist nicht. Die Kinder finden das super. Sie können sich Rat holen und sind gleichzeitig frei.“ Kathrin Bahr, Initiatorin (Diabetes Ratgeber Ausgabe Mai 2019)

Weitere Informationen und Kontakt