Hindernisse in der Stadt, auf dem Spiel- oder Parkplatz spielend leicht überspringen und dabei den Blutzucker unter Kontrolle halten - das erlernen junge Typ-1er in Berlin. Ein Team aus Parkourtrainern und einer Diabetesberaterin trainieren die jungen Teilnehmer über sechs Monate in ihrer Vielseitigkeit in Sprüngen und Sprungfolgen. Das lockt auch Bewegungsmuffel von der Couch.

Parkour ist die Kunst der effizienten Fortbewegung. Dabei werden Hindernisse ohne Hilfsmittel, flüssig, schnell, sicher und effizient überwunden. Der Traceur (Läufer) greift dazu auf seine körperlichen und geistigen Fähigkeiten zurück. Er stellt sich immer wieder neuen Herausforderungen, die er basierend auf seinen Fähigkeiten zu bestehen versucht.

Aus dem Training resultieren Selbstbewusstsein und Vertrauen in den eigenen Körper, Eigenschaften, die für Menschen mit einer chronischen Erkrankung wie Diabetes Typ 1 wertvoll sind.

Das Trainingskonzept wurde von Karina Marcy (Diabetesberaterin / Parkour Trainerin) entwickelt und wird von einem gemischtgeschlechtlichen Team von Parkour TrainerInnen durchgeführt. Alle TrainerInnen, die beim Projekt eingesetzt werden (evtl. Vertretung), sind bezüglich diabetes-relevanter Themen geschult.

  • April/Mai bis Ende 2020 in Berlin, wechselnde Orte
  • 10 Jugendliche im Alter von 13-17 Jahren mit Typ-1-Diabetes mellitus
  • Qualität der Stoffwechseleinstellung (HbA1c > 9%) (in Absprache)
  • Die Gruppenaktivitäten ab April/Mai 2020 bis Ende des Jahres wöchentlich (mit Ausnahme der Ferien)
  • zwei Wochenstunden für eine Dauer von 6 Monaten, bei jeder Witterung draußen
Parcoursspringer

Bewegung und Bewegungsförderung Jugendlicher mit Diabetes Typ 1

Die langfristige, körperliche Gesundheit von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes ist wesentlich von der Stoffwechseleinstellung vor und während der Pubertät geprägt. Der HbA1c folgt durch die Pubertät bereits einem „metabolischen Tracking“ mit einer hohen Tendenz. Die präpubertär und pubertär eingeschlagene HbA1c-Terzile (Spitzen über Normbereich) werden bis ins Erwachsenenalter übernommen! Gleichzeitig weisen eine Vielzahl von Jugendlichen in dieser weichenstellenden Phase eine höhere Krankheitsakzeptanzproblematik auf, die sich negativ auf die Therapieumsetzung auswirken kann.

Aus diesem Grund sehen wir einen dringenden Bedarf, Jugendliche mit Diabetes nicht nur über die klassischen medizinischen Einflusswege der Wissensvermittlung (Diabetesschulung) und Optimierung der Insulintherapie, sondern auch über eine nachhaltige Stärkung des Gesundheitsbewusstseins in ihrer Stoffwechselkontrolle günstig zu beeinflussen.

Eltern haben Zeit für Gespräche

Gerade in dieser Lebensphase der Jugendlichen ist es für deren Eltern eine enorme Herausforderung, das Gleichgewicht innerhalb der Familie aufrecht zu erhalten. Es ist wichtig, dass man gut miteinander auskommt, die Jugendlichen die notwendige Unterstützung erhalten und trotzdem immer mehr ihren eigenen Weg finden. Deshalb sollen auch die Eltern während der Parkour-Trainingseinheiten immer die Möglichkeit erhalten, sich in einem für Sie eigenen, geschützen Rahmen untereinander auszutauschen.

Nachhaltigkeit ist wichtig

Hat ein ressourcenstärkendes Interventionsprogramm (Parkour-Training) einen messbaren positiven Einfluss auf die Lebensqualität, die eigene Selbstwirksamkeit und Qualität der Stoffwechseleinstellung (HbA1c) bei Jugendlichen mit Typ-1 Diabetes und schlechter Stoffwechseleinstellung (HbA1c > 9%)?

Um das herauszufinden, begleitet Frau Heinrich-Rohr. (M.A. Praxisforschung in Sozialer Arbeit und Pädagogik Dozentin für „Quantitative Forschungsmethoden und EDV“ an der Alice Salomon Hochschule Berlin) das Projekt wissenschaftlich.

 

Eltern können hier ihre Kinder voranmelden.