Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses zur kontinuierlichen Glukosemessung

Deutsche Diabetes Gesellschaft und diabetesDE begrüßen Kostenübernahme von Kontinuierlichen Glukose-Mess-Systemen für Diabetespatienten als „Meilenstein

Berlin – Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), diabetesDE – Deutsche Diabetes Hilfe und Deutsche Diabetes Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) begrüßen den Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), wonach für bestimmte Diabetespatienten künftig die Kosten für Systeme für ein Kontinuierliches Glukose-Monitoring von den Krankenkassen übernommen werden. „Das ist ein wichtiger Meilenstein in der Therapie des Diabetes mellitus und ein Segen für die Patienten“, sagt Professor Dr. med. Baptist Gallwitz, Präsident der DDG. „Die Entscheidung erleichtert insulinpflichtigen Patienten die Teilhabe an Bildung und Arbeit und bringt ihnen ein großes Stück Lebensqualität, was vor allem für betroffene Kinder erfreulich ist“, ergänzt Professor Dr. med. Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe.

Mit der am 16. Juni 2016 getroffenen Entscheidung ist der G-BA der Empfehlung seines Unterausschusses Methodenbewertung gefolgt, der eine Kostenübernahme befürwortet. Der Beschluss gilt für alle insulinpflichtigen Patienten mit Diabetes mellitus unter intensivierter Insulinbehandlung – „insbesondere, wenn sie geschult sind (…) und die Therapieziele nicht erreicht werden können“, führte der unparteiische Vorsitzende des G-BA aus, Professor Josef Hecken. Bei einer intensivierten Insulinbehandlung müssen Patienten mehrfach täglich ihren Blutzucker messen, um die erforderliche Insulindosis abschätzen zu können. Dazu müssen sich Menschen mit Diabetes mehrfach am Tag in die Fingerbeere stechen, um Blut für die Messung mit einem Teststäbchen zu bekommen.

Das Kontinuierliche Glukose-Monitoring mit Real-Time-Messgeräten (kurz: CGM) ermöglicht die Überwachung der Glukoseänderungen im Körper rund um die Uhr. Die Systeme bestehen aus einem Sensor, der ins Unterhautfettgewebe eingestochen wird und dort bis zu sieben Tage verbleibt. Alle fünf Minuten wird ein Messwert des Gewebezuckers drahtlos an einen Empfänger übermittelt, der diese Werte in Echtzeit aufnimmt und anzeigt. Ändert sich die Stoffwechsellage und sinken oder steigen die Glukosewerte unterhalb oder oberhalb von vorgegebenen Grenzwerten, wird automatisch Alarm ausgelöst und der Patient entsprechend informiert.

Zwar sind diese Systeme noch kein vollständiger Ersatz für die herkömmliche ‚blutige‘ Blutzucker-Selbstkontrolle, weil der Patient noch ein bis zwei Mal täglich Selbstmessungen mit einem Blutstropfen aus dem Finger zur Kalibrierung des CGM-Systems vornehmen muss“, erläutert Professor Dr. Lutz Heinemann, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Diabetes & Technologie der DDG. „Doch die Überwachung des Glukoseverlaufs über die Zeit hinweg wird mit CGM enorm erleichtert.“ Dieser Einschätzung schließt sich Dr. Jens Kröger an, Vorstandsmitglied bei diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe, hier zuständig für Versorgung und Prävention. „Auf diesen Durchbruch haben wir seit über acht Jahren gewartet und begrüßen ihn sehr!“, kommentiert Kröger den G-BA-Entscheid. „Wichtig ist, dass die Patienten im Hinblick auf die kontinuierliche Glukosemessung geschult werden, um sicher mit dieser Methodik umgehen zu können“, betont der niedergelassene Diabetologe.

Für die Betroffenen bringt das CGM nicht nur ein einfacheres Handling ihrer Erkrankung, sondern auch deutlich mehr Sicherheit – gefährliche Unterzuckerungen werden früh erkannt und vermieden. „Patienten kommen so sicherer durch den Tag und können belastende Situationen im Alltag und im Beruf besser und sicherer meistern, etwa Berufskraftfahrer, Personen mit Überwachungsaufgaben oder Menschen, die hochkonzentriert an einem beruflichen Meeting teilnehmen müssen“, erklärt Jan Twachtmann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Diabetes Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M). „Es profitieren davon letztlich alle insulinpflichtigen Patienten, die ein intensives und erfüllendes Leben führen möchten, sei es durch Reisen, Schwangerschaft oder Prüfungen, die junge Menschen herausfordern. Die persönliche Lebensqualität steigt durch dieses Hilfsmittel enorm.

Bisher wurden die Kosten für ein CGM-System nur in Einzelfällen übernommen, etwa im Fall einer Schwangerschaft oder bei häufigen Unterzuckerungen. „Leider waren diese Kostenübernahmen vielfach von rechtlichen Auseinandersetzungen begleitet, die bis vor das Bundessozialgericht führten“, berichtet Heinemann. „Wir sind froh, dass mit dem G-BA-Beschluss jetzt Klarheit geschaffen worden ist.“ Die Kosten für ein CGM liegen mit etwa zehn Euro pro Tag derzeit noch höher als bei der herkömmlichen Messung, die mit etwa einem Euro pro Tag für die Teststreifen zu Buche schlägt. Insbesondere für Kinder und deren Eltern stellt diese Entscheidung einen sehr wichtigen Schritt dar, betont Dr. Ralph Ziegler, Münster, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Diabetologie der DDG.

Ein CGM-Gerät kann prinzipiell mit einer Insulinpumpe gekoppelt werden, eine Kombination, die wie eine künstliche Bauchspeicheldrüse arbeitet. Damit ist das CGM auch ein erster Schritt auf dem Weg zum „Closed-Loop-System“, der künstlichen Bauchspeicheldrüse.

Siehe auch:
www.g-ba.de/institution/presse/pressemitteilungen/623/