Langwirksames Insulin Tresiba® wird in Deutschland vom Markt genommen!

Gestern wurde bekannt, dass das Insulin Tresiba® (Insulin degludec) in Deutschland ab September vom Markt genommen wird. Tresiba® ist das neue langwirksame (Basal-)Insulin von Novo Nordisk. Der Grund für den Rückzug vom deutschen Markt ist, dass man sich bezüglich der Kostenerstattung mit dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen nicht einigen konnte. Auch eine Schiedsstelle konnte nicht dazu bei tragen, dass Patieten in Deutschland weiter mit dem Insulin versorgt werden können.

Preiskampf auf dem Rücken der Betroffenen!

Problem war der Preis den Novo Nordisk als Hersteller erstattet bekommen hätte. Der GKV-Spitzenverband verlangte, diesen auf die Höhe der Therapiekosten mit Humaninsulin zu senken, während der Preis für Tresiba® derzeit wesentlich höher liegt, als der Preis für Humaninsulin. Eine Absenkung auf das Niveau von Humaninsulin wäre nach Angaben von Novo Nordisk wirtschaftlich nicht tragbar gewesen. Ein Kompromissvorschlag für eine Übergangslösung und eine erneute Kosten-Nutzen-Bewertung konnte keinen Konsent finden, daher entschied sich das Unternehmen, das Insulin mit einer Übergangsfrist von drei Monaten vom deutschen Markt zu nehmen.

Tragbare Preise sind wichtig

Eine Preisregulierung halten wir für wichtig, nur darf diese nicht auf dem Rücken der Patienten erfolgen. Derzeit laufen die Preisverhandlungen dergestalt, dass der GKV-Spitzenverband Preissenkungen verlangt und für den Fall, dass die Unternehmen dem nicht folgen, eine Erstattungsfähigkeit ausschließt. Dies berücksichtigt aber unzureichend die Belange der Betroffenen, denn dieser Preiskampf nimmt die Betroffenen als Faustpfand, obwohl diese auf die Medikamente angewiesen sind. Ähnliche Probleme gab es schon in den vergangenen Jahren, wo es um die Verordnungsfähigkeit von Insulinanaloga ging; auch dort war es eine der Hauptforderungen die Erstattungsfähigkeit zu erhalten. Forschung und Entwicklung von neuen Arzneimitteln ist ein langwieriger und auch teurer Prozess. Das forschende Unternehmen diese Kosten wieder erwirtschaften müssen, ist daher logisch. Keinesfalls dürfen aber die Sozialkassen mit zu hohen Unternehmensgewinnen belastet werden. Diesen Preiskampf aber auf dem Rücken der Betroffenen auszufechten ist jedoch der falsche Weg. Das unser Solidarsystem nicht jeden Preis zahlen kann ist also verständlich. Deswegen ist hier ist die Politik gefragt, eine langfristige, transparente und gute Lösung im Sinne der Patienten zu finden.

Die weitere Vorgehensweise

Viele Patienten sind nun verunsichert und fragen sich, was Sie tun können. Wir als Patientenverband werden in den kommenden Tage versuchen auf diversen Wegen, für die Belange der Patienten in Deutschland zu kämpfen, die das neue Insulin benutzen und erfolgreich einsetzen. Bereits in der kurzen Zeit der Nutzung haben uns viele positive Rückmeldungen erreicht. Wir werden zusammen mit der Gesamtorganisation diabetesDE, als auch mit den Ärzten, die in der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) organisiert sind, auf breiter Front für einen Zugang zu diesem Medikament kämpfen.

Vorerst sind jedoch wir als Patienten gefragt!

Mehr als 6 Millionen Diabetiker in Deutschland müssen ihre Stimme erheben und dafür kämpfen, dass wir auch in Zukunft eine gute Versorgung erhalten können. Es kann nicht sein, dass neue Insuline oder andere Medikamente in anderen Ländern Europas verfügbar sind, bei uns jedoch nicht.

Aktuell hat jeder Betroffene folgende Optionen:

Auch wir werden versuchen, weitere Wege zu finden oder Ihnen Tools vorbereiten. Wir werden Sie in den kommenden Tagen weiter informieren. Die Informationen finden Sie auf unserer Facebook Seite oder auch hier.

Für weitere Hintergründe finden Sie auf der Seite von Novo Nordisk Deutschland weitere Informationen u. a. Patienteninformation und einen Offenen Brief an die Ärzte.