Die neue Patientenleitlinie „Diabetes und Straßenverkehr“ stellt klar, was Diabetespatienten beim Autofahren beachten müssen und welche Rechte sie haben.

In Deutschland ist schätzungsweise jeder zehnte Führerscheininhaber von Diabetes betroffen. Die Sorge, die Fahrerlaubnis aufgrund der Erkrankung zu verlieren, ist bei den meisten sehr groß. Die Patientenleitlinie der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) vom November 2019 gibt Handlungsempfehlungen, wie Diabetespatienten sicher am Straßenverkehr teilnehmen können und zeigt auf, wann gegebenenfalls eine Fahruntauglichkeit bestehen kann. Denn das Unfallrisiko für Menschen mit Diabetes kann sich deutlich erhöhen, wenn die Therapie nicht sorgfältig erfolgt und es wiederholt zu Unterzuckerungen kommt. Fest steht aber: Fast alle Diabetespatienten dürfen selbst fahren – sowohl am Steuer eines Privat-PKW als auch beruflich als Taxi-, Bus- oder LKW-Fahrer.

Die Patientenleitlinie "Diabetes und Straßenverkehr" informiert über:

  • Unterzuckerungen, Stoffwechsel­entgleisungen, chronische erhöhte Blutzucker­werte u.a.
  • Diabetische Folge­erkrankungen
  • diabetesbedingte Begleit­erkrankungen
  • altersspezifische Besonderheiten
  • betriebsmedizinisches und verkehrs­medizinisches Gutachten
  • rechtliche Gesichtspunkte
  • Empfehlungen für Kraftfahrer mit Diabetes (Behandlung mit Sulfonyl­harnstoffen u./o. Insulin)
  • Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahr­eignung der Bundes­anstalt für Straßenwesen (BASt)
  • Rat & Hilfe, Wörterbuch und hilfreiche Links
Autofahrer auf der Landstraße

Hyperglykämien vermeiden

Untersuchungen zeigen, dass eine Diabeteserkrankung per se nicht die Unfallhäufigkeit erhöht. Auch ein hoher Langzeitblutzuckerwert, der so genannte HbA1c-Wert, oder eine Insulintherapie stellen erst einmal kein Sicherheitsrisiko dar. Allgemein gilt, Hypoglykämien zu vermeiden. Denn eine Unterzuckerung bedeutet, dass der Fahrer in der Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und im Sehvermögen sehr eingeschränkt ist. Patienten mit Insulinbehandlung sollten vor jedem Fahrtantritt den Blutzucker zu messen. Liegt dieser unter 90mg/dl (5 mmol/l) ist eine Kohlehydratzufuhr dringend zu empfehlen – z.B. in Form von Traubenzucker oder Fruchtsaft. Bei längeren Fahrten ist eine mindestens dreistündliche Blutzuckermessung zu empfehlen.

Einschränkungen durch Folgerkrankungen bedenken

Darüber hinaus müssen Beeinträchtigungen aus Folge- und Nebenerkrankungen realistisch eingeordnet werden. So können Sehstörungen durch eine diabetische Netzhauterkrankung oder Einschränkungen durch das diabetische Fußsyndroms ein großes Sicherheitsrisiko im Straßenverkehr bedeuten. Patienten können sich beraten lassen, ob diese Einschränkungen beispielsweise mit technischen Maßnahmen kompensiert werden können.

Mehr Rechtssicherheit für Diabetes-Patienten

Rechtsanwalt Oliver Ebert, der regelmäßig Mitglieder der DDH-M ehrenamtlich in Rechtsfragen berät, begrüßt die neue Patientenleitlinie. Sie unterstützt Menschen mit Diabetes ihre Rechte gegenüber Ärzten und Behörden zu wahren. Denn noch immer stellen Führerscheinstellen und Gutachter die Fahreignung der Diabetespatienten in Frage. 

Gutachten werden häufig nicht mit der gebotenen Sorgfalt oder nicht unter Berücksichtigung der Vorgaben erstellt. Patienten verlieren dann unnötigerweise ihre Fahrerlaubnis.

Rechtsanwalt Oliver Ebert

Mit dieser Leitlinie sei es für Patienten auch deutlich einfacher, gegen ein fehlerhaftes Gutachten vorzugehen und einen drohenden Verlust der Fahrerlaubnis abzuwenden. „Aber auch gegenüber Ärzten können Betroffene jetzt sicherer auftreten und gegebenenfalls medizinisch begründete Fahrverbote hinterfragen“, stellt Ebert, der Koordinator und Mitautor der Studie ist.  

 

Weiterführende Hinweise und Informationen