Die Diabetiker Allianz (DA), die Vereinigung der Patientenvertreter der Diabetesbetroffenen, fordert den Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf, den aktuellen Stand der Umsetzung der Nationalen Diabetes-Strategie und deren Inhalte zu diskutieren und gemeinsam Lösungen für die Menschen mit Diabetes in Deutschland zu erarbeiten.
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Berlin, zum Weltdiabetestag am 14. November 2019

Offener Brief an den Bundes­gesundheits­minister Jens Spahn zur Nationalen Diabetes Strategie

Jetzt handeln: Umsetzung der Nationalen Diabetes-Strategie duldet keinen weiteren Aufschub!

 

Sehr geehrter Herr Minister,

wir, die organisierte Selbsthilfe und Patientenvertretung von 7-8 Millionen Diabetes-Betroffenen in Deutschland, haben uns sehr gefreut, als die Nationale Diabetes-Strategie im Koalitions­vertrag berücksichtigt wurde. Wir unterstützen viele Punkte, die im Zuge dessen formuliert und öffentlich gemacht wurden. Doch seit den Absichts­bekundungen im Jahre 2018 hat es kaum spürbare Entwicklungen in der Umsetzung gegeben. Die Nationale Diabetes-Strategie ist auch im November 2019 weder beschlossen noch umgesetzt worden. Dem Fortschreiten der Volkskrankheit Diabetes wurde noch immer nichts entgegengesetzt.

Das ist dramatisch! Experten gehen davon aus, dass sich allein in den letzten beiden Jahren die Zahl der Diabetes-Neuerkrankungen um eine Million erhöht hat. Es ist damit zu rechnen, dass die Anzahl der Diabetespatienten in den nächsten Jahren auf zwölf Millionen ansteigen wird. In Anbetracht dieser alarmierenden Prognosen, duldet die Umsetzung der Nationalen Diabetes-Strategie keinen weiteren Aufschub. Geeignete Maßnahmen müssen sofort ergriffen werden.

Diabetes ist eine gesamt­gesell­schaftliche Heraus­forderung. Eine Nationale Diabetes-Strategie muss sicher stellen, dass sowohl die Rate der Neu­erkran­kungen durch gezielte Prävention­maßnahmen verringert wird, als auch die gute medizinische Ver­sorgung der bereits Erkrankten gewährleistet wird, damit ihnen möglichst lange eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und in der Arbeitswelt ermöglicht wird und teure Folge­erkrankungen und Pflege­bedürftigkeit vermieden werden.

Dazu möchten wir als Diabetiker Allianz (DA), die Vereinigung der Patienten­vertreter der Diabetesbetroffenen, gerne mit Ihnen in den Dialog treten, um den aktuellen Stand der Umsetzung der Nationalen Diabetes-Strategie und deren Inhalte zu diskutieren und gemeinsam Lösungen für die Menschen mit Diabetes in Deutschland zu erarbeiten.

Aus Sicht der Diabetes-Selbsthilfe sind hierbei insbesondere folgende Punkte in der Nationalen Diabetes-Strategie zu berücksichtigen:

1.       Sicherung der kompetenten, integrativen diabetologischen und flächen­deckenden Versorgung im ambulanten und stationären Bereich sowie in der Pflege. Gewährleistung des Zugangs zu innovativen Therapie­möglichkeiten, die die Lebens­qualität sichern und verbessern.

2.       Sicherung des qualifizierten Nachwuchses bei den Diabetologen und den Allgemein­medizinern mit spezifischer Weiter­bildung im Bereich Diabetes.

3.       Patienten­beteiligung bei gesundheitlichen Entscheidungs­prozessen, Stimmrecht der themen­bezogenen Vertreter im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA).

4.       Gezielte Präventions­angebote für Menschen mit einem hohen Risiko für 
Typ-2-Diabetes, insbesondere unter Beachtung der Verhältnis­prävention.

5.       Aufbau eines Diabetes-Registers als Basis für medizinische Forschung, einschließlich Versorgungs­forschung.

Sehr geehrter Herr Minister, wir hoffen sehr auf eine Antwort. Unsere politischen Vertreter im Gemein­samen Bundes­ausschuss (G-BA) stehen bereit zum Gedanken­austausch und zur Unterstützung bei der Implemen­tierung der Nationalen Diabetes-Strategie. Damit wir gemeinsam der Volks­krankheit Diabetes schnell etwas entgegensetzen.

Freundliche Grüße

Judith Krämer

Vorstandsvorsitzende
Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes
 (DDH-M) e. V.

Sandra Schneller

Bundesvorsitzende
Deutscher Diabetiker Bund e.V.

Dr. Klaus-D. Warz

Vorstandvorsitzender
Deutsche Diabetes Föderation e.V. (DDF)

Bernd Franz

Vorstandvorsitzender
Diabetikerbund Bayern e.V.

 

Unsere Lösungs­ansätze zur effektiven Diabetes­prävention und -versorgung in Deutschland:


1. Sicherung der ambulanten und stationären Versorgung 

 a. Sicherung der kompetenten, integrativen diabetologischen und   flächen­deckenden ambulanten Versorgung. Gewährleistung des Zugangs zu innovativen Therapie­möglichkeiten, die die Lebens­qualität sichern und verbessern.
b. Sicherung des qualifizierten Nachwuchses bei den Diabetologen und den Allgemein­medizinern mit spezifischer Weiterbildung im Bereich Diabetes. Dies gilt es im Besonderen hinsichtlich Versorgungs­gerechtigkeit und regionalen Versorgungs­unterschieden zu betrachten
c. Sicherung der Betten­kapazitäten in Krankenhäusern der Endokrinologie/ Diabetologie, insbesondere Erhalt von Kinder­stationen.

2. Stärkung der Selbsthilfe
a. Patientenbeteiligung bei gesundheitlichen Entscheidungs­prozessen, Stimmrecht der themen­bezogenen Vertreter im Gemein­samen Bundes­ausschuss (G-BA).
b. Stärkung und verlässliche Finanzierung der Selbsthilfe-Verbände als eine der tragenden Säulen und Anlaufstelle in der praktischen Unterstützung nach der Erst­diagnose von Menschen mit Diabetes mellitus. Zu den Aufgaben der Selbsthilfe gehören die Unterstützung der Betroffenen bei der Umsetzung der ärztlich angeordneten Therapie in den Alltag sowie ein erfolgreiches Selbst­management nebst Förderung der Eigen­verantwortung.

3. Prävention: 
a. Gezielte Präventions­angebote für Menschen mit einem hohen Risiko für Typ-2-Diabetes, insbesondere unter Beachtung der Verhältnis­prävention.

Als Beispiele seien hier genannt:
(1) Förderung des täglichen Sport- und Bewegungs­angebots für Kinder und Jugendliche
(2) Mehrwertsteuer­befreiung für gesunde Lebensmittel bei gleichzeitiger
(3) Anhebung des Mehrwert­steuer­satzes für ungesunde Lebens­mittel
(4) Werbeverbote für ungesunde Lebens­mittel

b. Nachhaltige Gesundheits­förderung in KiTAs und Schulen als ressort­übergreifende Aufgabe der verantwortlichen Akteure in den verschiedenen Ministerien.

4. Forschung 
a. Aufbau eines Diabetes-Registers als Basis für medizinische Forschung, einschließlich Versorgungs­forschung.

5. Diabetes in den Lebenswelten
a. Gewährleistung von Inklusion für Kinder und Jugendliche mit Diabetes und Sicherung der Teilhabe in KiTa und Schule.
b. Sicherung der Kompetenz und des Wissens zur Diabetes­therapie bei den Pflegekräften in der Senioren­betreuung und in den Altersheimen.

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