"Du und Diabetes" startet im Oktober und wir haben bereits viele Fragen von Diabetologen, Familien und jungen Mädchen mit Diabetes Typ 1 zu diesem Projekt erhalten, die uns Klara Kaden in einem Interview beantworten möchte. 

Klara und ihr Team möchten das Selbstbewusstsein von jungen Mädchen und Frauen mit Typ-1-Diabetes im Rahmen des Projektes „Du & Diabetes" stärken. Dieses Projekt ist einzigartig in Deutschland, was natürlich viel Aufmerksamkeit erregt. 

Kann man sich noch anmelden? Und was muss man zahlen?

Ja klar, interessierte Mädchen können sich noch bis zum 24.10.2019 anmelden, einfach schnellstmöglich mich (anna-klara.kaden@charite.de) kontaktieren, da wir insgesamt nur 10 Plätze haben. Die Teilnahme ist komplett kostenfrei, auch die Kosten für alle Aktivitäten werden vom Projekt übernommen.

 

Wir freuen uns sehr auf jede Teilnehmerin!

 

Klara, wie kamst du auf die Idee, dieses Projekt zu starten?

In meiner Jugendzeit habe ich mich mit dem Diabetes immer sehr allein gefühlt und hätte in vielen Dingen auch v.a. emotionale Unterstützung benötigt. Im Laufe von 20 Jahren mit Diabetes, habe ich sehr viel durch eigene Erfahrung gelernt und auch durch mein Medizinstudium. Beim Lesen vieler Bücher und Artikel, die thematisch ein erfülltes Leben mit einer chronischen Krankheit behandeln, ist mir vieles bewusst geworden. Ich empfand gerade die Phase als Jugendliche und den Übergang ins Erwachsenenleben als stellenweise sehr herausfordernd und ich möchte mit meinem Team Jugendliche darin unterstützen, sich auszutauschen und so eine selbstgestärkte Herangehensweise an die Schwierigkeiten des Alltags mit Diabetes zu entwickeln. Aus diesem Wunsch heraus entstand die Idee zu diesem Projekt.

Wie hast du dein Team zusammengestellt? Kanntet ihr euch schon länger?

Ich hatte viele Universitäten im medizinischen/psychologischen Bereich gebeten, meine Suche an die Studierenden weiterzuleiten und Ruth & Judith haben sich bei mir gemeldet. Wir kennen uns nun schon seit fast zwei Jahren und haben uns häufig getroffen, um gemeinsam das Projekt zu besprechen, Stunden vorzubereiten, und um uns auch gegenseitig besser kennenzulernen. Gerade in der Ideenfindung inspirieren wir uns immer gegenseitig. Judith hat ihr Studium der Gesundheitswissenschaften abgeschlossen und ist dazu noch Krankenpflegerin. Ruth ist gerade mitten im Psychologiestudium – beide haben schon seit früher Kindheit Typ-1-Diabetes.
Mir war es wichtig, dass eigene Erfahrungen mit dem Diabetes eingebracht werden können und dazu noch ein theoretischer Hintergrund über das Studium im Gesundheitsbereich zum Thema des Lebens mit chronischen Erkrankungen vorhanden ist.

Macht ihr das Projekt allein oder habt ihr auch Hilfe?

Wir sind in ein tolles Netz eingebunden. Zum einen erhalten wir organisatorische Unterstützung durch die DDH-M, zum anderen finanzielle Unterstützung durch die BKK Krankenkasse, damit wir das Programm für die Teilnehmerinnen kostenfrei anbieten können.
Die vielen Aktivitäten werden von externen Kursanbietern geleitet.
Fachlich werden wir von einer Kinder- und Jugend-Diabetologin und einer Psychotherapeutin unterstützt, um bei auftretenden Schwierigkeiten die Jugendlichen optimal unterstützen zu können. Damit wir unsere Arbeit auch selbst reflektieren zu können, werden wir sog. Supervisionsstunden (angeleitetes Gespräch einer erfahrenen Psychotherapeutin) bei uns im Leitungsteam nehmen.
Zu den Gesprächsterminen werden auch externe Referenten eingeladen, wie z.B. eine Psychotherapeutin, die mit den Teilnehmerinnen zum Thema Motivation sprechen wird, Fr. Dr. Galler, eine Diabetologin, die das Thema Ängste geplant hat und Andrea Horn von den „Spiegelneuronen“, die auf dem Hintergrund der Positiven Psychologie kreativ an das Thema „erfülltes Leben mit Typ 1 Diabetes“ herangeht.

Warum macht ihr so viele verschiedene Aktivitäten?

Bei den Aktivitäten wollen wir uns gemeinsam auch außerhalb der Gesprächsstunden in lockerer Atmosphäre besser kennenlernen.
Zum einen möchten wir, dass die Termine interessant sind und Spaß machen, sodass die Mädchen am Projekt dranbleiben. Zum anderen gibt es bei jeder der Aktivitäten die Möglichkeit, andere Erfahrungen zu machen – sei es beim Yoga seinen Körper und das Thema Gefühle besser kennenzulernen oder beim Tanzen mal an seine Grenzen zu kommen und auch hier ein gutes Körpergefühl entwickeln zu können.

Was kann man bei euch im Projekt lernen? Werden auch schwierige Themen angesprochen?

Bei den Aktivitäten im Projekt lernen die Jugendlichen zum einen, wie andere in diesen Situationen mit ihrem Diabetes umgehen und wie man bei Sport z.B., auch mit Diabetes, sich ganz auf die eigentlichen Aktivitäten konzentrieren kann und dann in Zukunft noch offener an herausfordernde Situationen herangeht, ohne dass der Diabetes als hinderlich empfunden wird. So können die Mädchen einen selbstsicheren Umgang mit dem Diabetes – im Alltag und auch in besonderen Situationen erlernen. 

Wir möchten erreichen, dass sich die Mädchen gegenseitig in einem positiven Umgang mit dem Diabetes stärken und wir als Leitende bringen natürlich auch gerne unsere Erfahrungen und theoretische Hintergründe ein, die beim Umgang mit Hürden & Schwierigkeiten optimal unterstützen können. Wir haben eine offene Haltung, um auch „schwierigere“ Themen, wie bspw. die Gefühle Angst, Traurigkeit, Streit mit Eltern/Geschwistern, Selbstwert zu besprechen – die Jugendlichen entscheiden natürlich selbst, ob und in welcher Form darüber gesprochen wird.

Was ist, wenn es der Teilnehmerin nicht gefällt oder mal keine Zeit hat?

Wir fänden es schön, wenn die Mädchen über das gesamte Projekt dabei bleiben: Wenn etwas nicht gefällt, können wir gerne darüber sprechen, ggf. können wir das Projekt dann ein wenig anpassen, sodass jede Teilnehmerin mit Freude und Motivation weiterhin dabei sein kann. Sollte jemand zu einzelnen Terminen keine Zeit haben, ist das kein Problem, wir fänden es aber gut, wenn kontinuierlich an den Treffen teilgenommen wird. Sollte es einer Teilnehmerin jedoch überhaupt nicht gefallen, kann natürlich die Teilnahme jederzeit beendet werden.

Wenn eine Teilnehmerin nicht in Berlin wohnt, muss sie anreisen. Wird das Projekt auch in anderen Bundesländern starten?

Gern können Mädchen aus dem Berliner Umland und von weiter her zu uns kommen und teilnehmen. Die Reisekosten können in diesem Fall auf Antrag erstattet werden, jedoch nicht eventuelle Übernachtungen. Das Projekt ist nicht an anderen Orten geplant. Falls eine Teilnehmerin selbst Lust hat, ein ähnliches Projekt an ihrem Wohnort auf die Beine zu stellen, unterstütze ich gerne dabei – dann bitte eine Mail an info@ddh-m.de.

Gibt es so ein Projekt auch für Jungs?

Leider gibt es dieses Projekt noch nicht für Jungs. Falls eine Teilnehmerin selbst Lust hat, ein ähnliches Projekt für Jungs an ihrem Wohnort auf die Beine zu stellen, unterstütze ich gerne auch hier dabei – dann bitte eine Anfrage an info@ddh-m.de.

Bleiben wir im Kontakt auch nach dem Projekt?

Gerne können wir mit den Mädchen im Kontakt bleiben, und natürlich die Mädchen auch untereinander. Darum geht es ja, dass sie sich auch untereinander vernetzen! Wahrscheinlich wird es auch nach Ende der Treffen den ein oder andern gemeinsamen Termin geben.