Maurice ist vier Jahre alt und an Diabetes Typ 1 erkrankt. Die Diagnose stellte das Leben der Familie erst einmal auf den Kopf. Wie sollte jetzt der Kita-Alltag mit der Krankheit bewältigt werden? Ralf Glaubel griff der Familie helfend unter die Arme und übernahm eine Diabetes-Patenschaft für Maurice.

„Diabetes-Patenonkel“

Wenn man von Diabetes spricht, drängt sich einem das Bild von älteren Menschen auf, die gern Süßes naschen. Schließlich wird die Stoffwechselkrankheit auch umgangssprachlich Zucker genannt. Doch Diabetes mellitus ist auch die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindes- und Jugendalter in Deutschland. Gut 30 000 Kinder und Jugendliche im Alter bis zu 19 Jahren sind an Diabetes mellitus Typ 1 erkrankt, schreibt der Gesundheitsbericht Diabetes 2020.

Maurice, 4 Jahre alt, hat Diabetes Typ 1

Maurice, 4 Jahre alt, Foto Ralf Glaubel, März 2020

 

Schuld daran ist nicht der Verzehr von Süßigkeiten, sondern eine Autoimmunerkrankung, bei der die Insulin produzierenden Betazellen im Körper zerstört werden. Das Hormon Insulin ist aber wichtig, um den aus der Nahrung aufgenommenen Zucker vom Blut in die Zellen zu transportieren.

An diesem Diabetes Typ 1 ist auch Maurice erkrankt. Der vierjährige Müchelner ist ein aufgewecktes Kerlchen, muss sich nun aber seit 2019 Insulin spritzen. Die Diagnose stellte das Leben der Familie erst einmal auf den Kopf. Ständiges Blutzuckermessen gehört seitdem zum Alltag. Wie sollte der Kita-Alltag mit der Krankheit bewältigt werden?

Ralf Glaubel, der ehrenamtlich im Bundesvorstand der Deutschen Diabetes Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) e.V. aktiv ist, griff der Familie helfend unter die Arme. Er organisierte für die Familie eine Haushaltswaage, damit der Kohlehydratgehalt der verzehrten Nahrung berechnet werden kann. Anhand dieser „Broteinheiten“ (BE) lässt sich dann die Menge Insulin bestimmen, die gespritzt werden muss.

Ralf Glaubel begleitet Mutter und Sohn bei Fahrten zum Diabetologen der Kinder- und Jugendmedizin in der Universitätsklinik Halle und führte Gespräche mit der Kindertagesstätte, um anfängliche Bedenken aus dem Weg zu räumen. Er erklärte vor Ort das korrekte Blutzuckermessen und demonstrierte den Umgang mit der Notfallspritze im Falle einer Unterzuckerung. Bei der Volksküche GmbH konnte er eine Kennzeichnung von Maurice‘ Essen erwirken, die hilft die Broteinheiten im Auge zu behalten.

Mittlerweile ist der Vierjährige in der Lage den Blutzucker bei sich selbst zu messen. Das könnte bald einfacher werden. Mit einem FreeStyle Libre, einem neuen Blutzucker­messsystem, ist nur noch ein schmerzloser Scan eines Sensors am Oberarm von Nöten.

Doch für alle Erleichterungen braucht es Anträge und Formulare. Um die Familie von Maurice dabei zu unterstützen, arbeitet Ralf Glaubel eng mit der Familienhilfe in Querfurt zusammen, die der Familie unter die Arme greift.

Der Müchelner Glaubel weiß deshalb so gut Bescheid, weil er selbst an Diabetes erkrankt ist und diese Krankheit ihn sogar erwerbsunfähig gemacht hat. Er hat für Maurice eine „Diabetes-Patenschaft“ übernommen und gibt sein Wissen gern weiter.

 

Ralf Glaubel ist Diabetes-Patenonkel, Portraitbild
© Melanie Bastian, 2019: Ralf Glaubel, Vorstandsmitglied der DDH-M, Diabetes Typ 1, Diabetes-Patenonkel

Der Diabetiker berichtet von einem jährlich stattfindenden KIDS-Kurs, welcher ausschließlich für erkrankte Kinder zwischen 6 und 16 Jahren von Dr. Milek aus Hohenmölsen organisiert wird. Er selbst begleitete diesen Ferienspaß viele Jahre. In der Bremsdorfer Mühle gibt es neben den notwendigen Schulungen rund um den Diabetes auch jede Menge Spaß. Da werden Koch- oder Tanzshows aus dem Fernsehen nachgeahmt und dabei die Sorgen der Kleinen mal beiseitegeschoben. Die Kosten dafür werden durch Fördergelder, von den Krankenkassen und einem Eigenanteil abgedeckt. (www.kids-kurs.info)

Ralf Glaubel, der auch ehrenamtlich beim DRK tätig ist, steht gern als Ansprechpartner für Menschen mit Diabetes zur Verfügung. (ralf.glaubel@ddh-m.de)

Sandra Reinicke

(veröffentlicht im Müchelner Geiseltal-Echo Ausgabe April 2020, mit freundlicher Genehmigung)

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