Zum 4. Mal tagte das Fachsymposium „Diabetes 2030“ am 21. und 22. Februar 2019 mit Vertretern der Politik, dem Gesundheitswesen und aller Diabetesverbände in Berlin. Es wurde die Bedeutung der Nationalen Diabetesstrategie und der aktuelle Diabetes-Zustand in Deutschland aufgezeigt. Für DDH-M war unsere Vorstandsvorsitzende Judith Krämer dabei.

Rund 100 Vertreter der Politik, Krankenkassen, Wirtschaft, Diabetes-Fachorganisationen und der Diabetes-Selbsthilfe trafen sich am 21. und 22. Februar 2019 bereits zum 4. Mal zum Fachsymposium „Diabetes 2030“ in Berlin. Seine Exzellenz F.A. Petersen, Botschafter des Königreichs Dänemark, stellte dafür nicht nur das Gemeinschaftshaus der nordischen Botschaften, das „Felleshus“ zur Verfügung, sondern hieß auch alle Gäste sehr herzlich willkommen. In ihrem Vorwort erklärte Tina Abild Olesen (Geschäftsführerin Novo Nordisk), dass die reele Chance besteht, die Diabetes-Prävalenz auf ein Niveau zu halten, welches für unsere Gesellschaft tragbar ist. In eine Zielgerade umformuliert, bedeutet dies, dass im Jahr 2045 nicht mehr als 1 von 10 Erwachsenen an Diabetes erkrankt ist, so ihre Worte. Dazu müssen alle gesellschaftlichen Kräfte gebündelt werden, was Ziel dieses Fachsymposiums ist.
 

Das Felleshus –  öffentlich zugängliches Gemeinschaftshaus der Nordischen Botschaften.

 

Als Vertreterin der Deutschen Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) konnte ich erleben, mit wie viel Fachwissen und statistisch fundierten Zahlen das Problem Diabetes von den Rednern umrissen wurde. So wurde durch das Dänische Diabetes-Register aufzeigt, dass Diabetes die Lebenszeit um 5 – 20 Jahre verkürzen kann. Das Robert-Koch-Institut RKI spricht von derzeit 7 Mio. Menschen mit erkanntem oder unerkanntem Diabetes in Deutschland. Wenn nichts unternommen wird, könnten laut RKI im Jahr 2040 bereits 10,7 bis 12,3 Mio. Menschen an Diabetes erkrankt sein. Zahlen, wie diese zeigen, dass es dringend notwendig ist, über die deutsche Nationale Diabetesstrategie zu diskutieren und den aktuellen Diabetes-Zustand in Deutschland zu analysieren. Die zunehmende Bedeutung der Nationalen Diabetesstrategie wird auch immer mehr von der Politik wahrgenommen, wenn auch nach Ansicht der Selbsthilfe immer noch viel zu wenig. 

Im Koalitionsvertrag 2018 hat sich die Politik verpflichtet, ganz gezielt Volkskrankheiten wie Diabetes den Kampf anzusagen. Die Idee ist, eine breite Front gegen den Diabetes unter der Federführung des Bundesgesundheitsministeriums zu bilden und dabei alle wichtigen Akteure aus Wissenschaft, Ärzteschaft, Krankenkassen und Industrie von Anfang zusammenzubringen. Darin waren sich die Redner der Podiumsdiskussion einig. Staatssekretär Lutz Stroppe beschrieb als einen der nächsten Schritte der Nationalen Diabetesstrategie die Beauftragung des RKI, um eine evidente Datengrundlage zum Diabetes zu schaffen. Deutschland fehlt dieses Diabetes-Register, deren Datengrundlage eine Basis für Aufklärungsmaßnahmen, Informationen für die Bevölkerung und für Präventionsmaßnahmen geben soll.

Für mich als Vertreterin der Diabetes-Selbsthilfe erscheint das Handeln der Politik sehr ambitioniert, jedoch wird viel Zeit ins Land gehen, bis ein Diabetes-Register bzw. die geplante Diabetes-Surveillance (Surveillance = systematische und kontinuierliche Überwachung) den erhofften Zweck erfüllen. Es wird deutlich, dass gerade die Selbsthilfe noch mehr tun kann und muss. Auch aus diesem Grund haben sich die Diabetes-Selbsthilfeverbände seit 2018 zu einer Diabetiker-Allianz (DA) zusammengeschlossen, um gemeinsam eine zweite starke und patientennahe Front gegen den Diabetes zu bilden.

Für uns als DDH-M ist es sehr wichtig, dass die Selbsthilfe mehr Akzeptanz erhält und als Partner gesehen wird. Immerhin vertreten wir sehr viele der Betroffenen und haben auch Zugang zu vielen, die unsere Mitglieder sind. Wir können ganz entscheidend dazu beitragen, die Datenerhebung mitzugestalten, können dabei eigene vorhandene Ressourcen nutzen und viele Ansätze liefern. Es wäre für uns an der Basis durchaus möglich, Symptome, Morbidität oder Mortalität zu erfassen, aber auch sogenannte PROs (Patient Reported Outcomes), Merkmale der Lebensqualität, Wirkungen und Nebenwirkungen der Diabetes-Therapie.

Die PROs spielen im Nutzenbewertungsprozess des AMNOG eine zunehmende Rolle. Wir müssen uns schon fragen, warum diese Parameter nicht längst in das bestehende DMP Programm involviert sind oder auch über die Selbsthilfeverbände abgefragt werden.

Als Fazit des Fachsymposium „Diabetes 2030“ kann ich sagen: Es gib reichlich Themen zum Diskutieren und noch mehr Gründe für ein schnelles und effizientes Handeln. Aber ich hatte das erste Mal das Gefühl, dass wir gemeinsam mit „Diabetes 2030“ vorankommen, dass es wieder einen Schritt nach vorn ging und trotz unterschiedlicher Perspektiven, die Versorgung unserer Mitglieder wissensbasiert verbessert wird.

Judith Krämer

Vorsitzende

Mit der Veranstaltungsreihe "Diabetes 2030" möchte Novo Nordisk zu einer besseren Diabetesversorgung beitragen. Dazu werden verschiedene Akteure im Gesundheitswesen für einen Austausch und zur Vernetzung zu Fachsymposien eingeladen.

Pressemitteilung Diabetes 2030_Novo Nordisk