Erkrankungsrisiko, Komplikationsrisiko und Hinweise zur Behandlung von Menschen mit Diabetes bei einer Erkrankung mit dem Corona Virus. Ab dem 50. bis 60. Lebensjahr steigt das Risiko für einen schweren Verlauf der COVID-19-Infektionen deutlich an.

Corona-Risiko bei Diabetes

Ab dem 50. bis 60. Lebensjahr steigt das Risiko für einen schweren Verlauf der COVID-19-Infektionen deutlich an. 86 Prozent aller bis zum 3. April in Deutschland verstorbenen Patienten waren 70 Jahre und älter. Ein erhöhtes Risiko haben nach Darstellung des Robert-Koch-Instituts auch Patienten mit bestimmten Vorerkrankungen, dazu zählen Patienten mit Diabetes mellitus. Ob es auch einen direkten Zusammenhang zwischen einem Diabetes und der COVID-19-Erkrankung gibt, ist nicht nachgewiesen. 

Das neue nationale Diabetes­informations­portal diabinfo.de schreibt: „Menschen mit Diabetes, die gut eingestellte Blutzuckerwerte und keine Begleit- und Folgeerkrankungen aufweisen, haben nach derzeitigem Stand des Wissens kein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf.“ Einzelne Arbeiten weisen jedoch auf eine mögliche Beziehung zwischen Coronavirus-Infektionen, dem Glukosestoffwechsel und dem Enzym ACE2 hin, das stellt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) in einer Pressemitteilung vom 7. April fest.

Krankenhausbetten

Risiko für schweren Krankheitsverlauf

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) weist in ihrer Pressemitteilung  ebenfalls darauf hin, dass bei Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei einer Virusinfektion ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf mit akutem Lungen- oder Multiorganversagen besteht.

Corona-Behandlung bei Diabetes

Für Menschen mit Diabetes, die sich mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert haben, ist eine gute Blutzucker- und Stoffwechseleinstellung wichtig. Sie stärkt das Immunsystem und ist Voraussetzung für alle anderen Körperfunktionen. „Wenn eine Behandlung im Krankenhaus notwendig ist, sollte ein erfahrener Diabetologe zu dem Behandlungsteam gehören, um in der Akutsituation fachspezifisch eingreifen zu können“, heißt es bei diabinfo.de. Die DDG hat für Ärzte praktische Empfehlungen zum Diabetes-Management bei einer COVID-19-Erkrankung veröffentlicht.

Ganz allgemein können Infekte bei Menschen mit Diabetes den Stoffwechsel durcheinanderbringen. Wenn das körpereigene Abwehrsystem Erreger wie beispielsweise Viren erkennt, werden Stresshormone freigesetzt. Dazu zählt Adrenalin. Es sorgt dafür, dass die Leber vermehrt Glukose (Zucker) abgibt. In der Folge steigt der Blutzuckerspiegel.

Bei Fieber sollte bei Diabetes der Blutzuckerspiegel besonders gut überwacht werden. Fieber lässt im Normalfall den Blutzuckerspiegel steigen, was zu einem höheren Insulinbedarf führt.

Blutzuckereinstellung bei Corona

Laut Empfehlung der DDG-Experten sollte bei einer Corona der Blutglukosewert von infizierten Diabetespatienten zwischen 70 und 180 mg/dl oder 3,9 und 10 mmol/dl und der Langzeitblutzuckerwert HbA1c unter 7,5 liegen. Bei intensivmedizinisch betreuten Patienten ist ein Blutzuckerwert zwischen 140 und 180 mg/dl beziehungsweise 7,8 bis 10 mmol/dl anzustreben. Der Blutdruck sollte sowohl bei milden sowie schweren Verläufen 135/85 mmHg möglichst nicht übersteigen

Vorsorgliche Diabetes-Untersuchung

Die DDG empfiehlt, dass alle COVID-19-Patienten auf einen bisher nicht diagnostizierten Diabetes untersucht werden. So können stoffwechselbedingte Komplikationen im Krankheitsverlauf rechtzeitig erkannt werden. Nach Einschätzung der DDG stehen den rund sieben Millionen diagnostizierten Diabetespatienten in Deutschland etwa 1,3 Millionen Menschen gegenüber, die von ihrer Diabeteserkrankung noch nichts wissen.

Quellen: 
Robert-Koch-Institut: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Steckbrief.html
Fragen und Antworten zu Corona und Diabetes: https://www.diabinfo.de/
Diabetesmanagement bei COVID-19-Erkrankung: https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/fileadmin/Redakteur/Stellungnahmen/2020/20200403_Positionspapier_COVID19_final_1.pdf