Die Bewegungsversorgung im Gesundheitssystem für Menschen mit nicht übertragbaren Krankheiten zu etablieren ist Ziel des Projekts "BewegtVersorgt" der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg. Die Wissenschaftler werden von der Patientenorganisation DDH-M unterstützt.

Die Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) unterstützt als Kooperationspartner das Projekt „BewegtVersorgt“ der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg, Department für Sportwissenschaft und Sport. Unser stellv. Vorstandsvorsitzender Jörg Westheide nimmt für DDH-M an den Projektveranstaltungen teil und bringt die Sicht der Betroffenen ein. Das erste Arbeitstreffen der Wissenschaftler mit allen Kooperationspartnern fand am 22. Oktober 2019 in Erlangen statt.

Ziel des Projekts "BewegtVersorgt"

Das Projekt entwickelt, erprobt und etabliert Konzepte für Versorgungs­ketten zur Bewegungsförderung erst auf regionaler Ebene, die im Anschluss einen Transfer auf andere Regionen ermöglichen. Ziel ist es, chronisch erkrankte Menschen, wie Diabetes Typ 2 Patienten, über diese Versorgungsstruktur nachhaltig und langfristig an einen körperlich aktiven Lebensstil heranzuführen. 

Sportler in einer Sporthalle machen Fitness.

In Deutschland gibt es keine Versorgungsketten zur Bewegungs­förderung für chronisch erkrankte Menschen. Das bedeutet, jeder Patient muss sich selbst Bewegungsangebote suchen, nicht wissend, welche sportliche Aktivität wie intensiv für seine Erkrankung infrage kommt. Dabei ist der Patient zu allererst gefordert, die medikamentöse Behandlung in den Alltag zu integrieren und hier eine Therapietreue zu entwickeln. Das erfordert oft die ganze Aufmerksamkeit des Betroffenen. Nicht immer bleibt genug Kraft und Willensstärke, sich zusätzlich um Bewegungsangebote zu kümmern. Vorlieben bei Sportarten, die Erreichbarkeit von entsprechenden Angeboten erschweren den Zugang zu mehr Bewegung für die Patienten deutlich.

Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes benötigen oft eine konkrete Aufforderung und Hilfestellung, wenn es darum geht, sich aktiver zu bewegen.

„Als mein Arzt mir mitteilte: Herr Westheide, treiben Sie Sport, sonst haben wir bald Insulinpflicht!, nahm ich das als ärztliche Verordnung an und bin nun beim Nordic-Walking, Aqua-Training und auch Tanzen ganz gut dabei.“, sagt Jörg Westheide, stellv. Vorstandsvorsitzender der DDH-M, Typ 2 und Teilnehmer für DDH-M am Projekt. 

Werden Versorgungsketten für Bewegungsförderung in die Routinepraxis des Gesundheits­systems fest verankert, wird auch für Menschen mit Diabetes eine größtmögliche Auswirkung auf die Gesundheit erzielt. 

Das Projekt „BewegtVersorgt“ ist detailliert auf einer eigenen Webpräsenz dargestellt. Neben den einzelnen Projektphasen sind auch alle Kooperationspartner aufgelistet, die diesem Projekt den Praxisbezug geben. 

BewegtVersorgt mit Förderung durch das BMG

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) verfolgt mit dem Förderschwerpunkt „Bewegung und Bewegungsförderung“ das Ziel, das gesundheitliche Potenzial von Bewegung in der gesamten Bevölkerung bekannt zu machen. Somit sollen Grundlagen geschaffen werden, um Menschen zu mehr körperlicher Aktivität zu motivieren. Denn Bewegungsmangel ist einer der zentralen Risikofaktoren für die Entstehung der meisten nicht-übertragbaren Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ II, Gelenk- und Rückenleiden. Der Einfluss von körperlicher Aktivität auf das Wohlbefinden und die Gesundheit ist unbestritten. 

Über einen Beteiligungsansatz mit zentralen Akteuren des deutschen Gesundheitssystems werden ärztlich initiierte Versorgungsketten zur Bewegungsförderung für Menschen mit nichtübertragbaren Erkrankungen partizipativ entwickelt, erprobt, überprüft und verstetigt. In der Umsetzungsphase werden die Versorgungs­ketten im Rahmen eines regionalen Modellvorhabens eingeführt, erprobt und bewertet. Basierend auf den Evaluations­ergebnissen entsteht ein Konzept zur bundesweiten Übertragung in die gängige Praxis.

Grundlage des Projekts bilden die Nationalen Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung auf. Mit diesen wurde erstmalig für Deutschland die wissenschaftliche Grundlage für den Nutzen von Bewegung für die Gesundheit beschrieben und aufgezeigt, wie Bewegung im Alltag der Menschen in den unterschiedlichen Lebenswelten gefördert werden kann.

Quellen:
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/b/bewegung-und-bewegungsfoerderung.html
https://www.sport.fau.de/das-institut/forschung/bewegung-und-gesundheit/forschungsprojekte/bewegtversorgt/